Die erste Schlacht von Manassas/Bull Run am 21.07.1861


Nach der Eroberung von Fort Sumter durch die Konföderation, wurde General Beauregard mit dem Aufbau einer Armee in Virginia beauftragt. Zur gleichen Zeit konnte man der Unionspresse entnehmen, dass der öffentliche Druck im Norden für einen Angriff auf Richmond täglich zunahm.

General Beauregard sammelte bis Ende Juni eine Armee von etwa 20.000 Mann, um den Eisenbahnkontenpunkt Manassas Junction (etwa 35 km südlich von Washington, in der Nähe der Hauptstraße von Washington nach Richmond gelegen). Die Manassas-Gap-Eisenbahn, die durch diesen Teil des Staates Virginia lief, verband Front Royal am Anfang des wichtigen, fruchtbaren Shenandoah-Tals in den Bergen mit der Orange-Alexandria-Eisenbahn, die bis Washington reichte. Manassas war damals ein ein winziges Dörfchen in einer sehr schönen, breiten hügeligen Landschaft fruchtbarer Felder und kleiner Wälder. Nordwärts vom Bahnhof, in einer Nordwest-Südost-Linie, verlief der Bach Bull Run. Die Landstraße von Centreville bis Warrenton überquerte den Bull Run auf einer Ost-West-Linie. Hier befand sich eine Steinbrücke. Ansonsten musste der Bach durch Furten überquert werden, welche nach den Besitzern der umliegenden Plantagen benannt waren. Beauregard ließ eine 16 km lange Verteidigungslinie auf dem Südufer des Bull Run von Union Mills bis zur Steinbrücke beziehen, wobei er den Hauptteil auf der rechten Flanke zwischen McLean's Ford und Mitchell's Ford konzentrierte. Der Grund für diese Ballung der Kräfte an der rechten Flanke lag darin, daß an diesem Abschnitt der Bull Run von der Landstraße gekreuzt wurde.

 

In Washington beschäftigte man sich inzwischen damit einen geeigneten Mann für den Feldzug nach Richmond zu finden. General Scott gab seinen Plan für das "Abwürgen" des Süden (Anakondaplan) endgültig auf und ernannte General Irwin McDowell zum Befehlshaber der Potomac-Armee. In Washington spekulierte man, den Krieg mit einer einzigen Entscheidungsschlacht gewinnen zu können. McDowell sammelte die Armee gegenüber von Washington in Arlington (Virginia) und bereitete seinen Marsch vor, denn die 90-Tage-Freiwilligen mussten bald entlassen werden.


1st Rhode Island Infantry
Colonel Burnside's 1st Rhode Island Infantry im Camp Sprague außerhalb Washingtons.


Die Armee McDowells bestand aus ca. 35.000 Mann, Beauregards Armee aus ca. 20.000 Mann. Keiner der beiden Generäle hatte jemals soviele Truppe unter seinem Befehl gehabt. Mindestens 85% der Soldaten waren Freiwillige und Milizeinheiten mit minimaler Ausbildung.

 

General Scott machte sich jedoch Sorgen um die Konföderierte Armee im Shenandoah-Tal, unter General Joseph E. Johnston und General Thomas J. Jackson. Er schickte den alten Unionsgeneral Patterson in Richtung Harpers Ferry, um eine Vereinigung der beiden CS-Armeen zu verhindern.

 

Die Initiative übernahm aber zunächst CSA-General Thomas J. Jackson, indem er 42 Züge auf der Eisenbahnstrecke um Harpers Ferry "konfiszierte". Die meisten Züge ließ er einfach in den Potomac kippen, befahl aber 14 Loks auf dem Landwege(!) nach Front Royal bringen, da hier die Endstation der Manassas-Gap-Eisenbahn war.

 

Als McDowell seine Armee in Richtung Manassas bewegte, telegrafierte Beauregard Johnston, er solle seine Armee nach Manassas führen. Johnston und Jackson hatten mit dieser Eventualität schon gerechnet und zogen sich, als US-General Patterson über den Potomac setzte, nach Winchester zurück. Die 1. Virginia Kavallerie unter Colonel J.E.B. Stuart deckte diesen Rückzug. Die Männer tauchten hier und dort auf, täuschten größere Truppenbewegungen vor und brachten Patterson völlig durcheinander. Patterson glaubte die gesamte Armee Johnston vor sich zu haben und griff deshalb nicht an.

 

Inzwischen setzte McDowell seinen Marsch fort und brauchte für die 35 km ganze 4 Tage. Die riesige Kolonne unerfahrener und schlecht disziplinierter Truppen geriet ständig in Unordnung und die Männer plünderten jede Ortschaft die sie durchquerten. Einige der Truppen hielten an und pflückten Johannisbeeren, da die Versorgung der Potomac-Armee derart schlecht war, dass die meisten Soldaten "ausgehungert" waren.

 

Die Vorhut der Potomac-Armee unter General Tyler (8.000 Mann) erreichte Centreville schon am 18. Juli 1861. Beauregard rechnete mit einen Angriff an den Furten bei der Landstraße Centreville-Manassas und konzentrierte hier die Brigaden unter den Generälen Longstreet, Jones, Early, Bonham und Ewell. Für seinen Plan eines Gegenangriffes auf Centreville verabredete sich Beauregard mit Ewell, um sich mit diesen beim Mittagessen im Hause des Oberst d.D.  D. Wilmer McLean zu beraten.

 

Die Hauptstraße von Centreville
Nachdem es bei Fairfax Court House bereits am 17. Juli Gefechte gegeben hat, erreicht die Vorhut der Union unter General Tyler am 18. Juli den Ort Centreville. Hier ist Hauptstraße, nach der Schlacht zu sehen.

McDowell hatte Tyler befohlen einen Angriff auf die CSA-Flanke bei McLean's und Blackburn's Ford zu versuchen, um die Stärke der CSA-Truppen an diesem Abschnitt zu testen. Eine Kugel der ersten Artilleriesalve landete ausgerechnet im Küchenschornstein von McLeans Haus und detonierte im Suppenkessel. General Beauregard wurde auf dieser Weise in Kenntnis gesetzt, dass sie Schlacht soeben begonnen hatte. Der Angriff der US-Truppen wurde rasch zurückgeworfen. General Tyler berichtete McDowell von der Truppenkonzentration der CS-Armee an diesem Punkt, und McDowell begann mit der Konzipierung seines Angriffsplanes - dazu ließ er sich jedoch 3 Tage Zeit. Die fatale Verzögerung war unvermeidlich, da die Unionsarmee erst am 20. Juli vollständig eingetroffen war.

 

Der Plan McDowells war theoretisch ausgezeichnet. Der Hauptteil seiner Truppen sollte in den Morgenstunden des 21. Juli auf der Warrenton-Landstraße westwärts marschieren, dem Bogen des Bull Run bis Sudley Springs folgen und dort die schwache linke Flanke der Konföderierten überfallen. Die Brigade Schenck (die einzigen Regulären) sollte vorausmarschieren und vor der Steinbrücke den Hauptstoß vortäuschen, während ein Scheinangriff gegen den Schwerpunkt der Konföderierten bei der Straße von Centreville ausgeführt werden würde. Der Plan war jedoch für die unerfahrenen Truppen zu kompliziert und fußte auf der Annahme das General Patterson die Armee Johnston in Winchester festgehalten hätte. Patterson wußte jedoch nicht, wo sich Johnstons Armee befand - nämlich seit dem Vortag in Manassas. Jacksons aufwendige "Entführung" der 14 Lokomotiven und Güterwagen war keine dumme Idee. Zum erstenmal wurde eine Armee per Eisenbahn zum Schlachtfeld gebracht. Im Laufe des 21. Juli traf Jackson zusammen mit Kirby Smith's Brigade auf demselben Weg in Manassas ein. Selbst die 1. Virginia Kavallerie erreichte, ausser der Kompanie E, welche zur Beobachtung Patterson zurückgeblieben war, am Vormittag Manassas.

 

Der Aufmarsch der Unionstruppen vollzog sich äußerst langsam und wurde von den Konföderierten Vorposten entdeckt. Die Unionsartillerie, welche die Brigade Schenk zu Steinbrücke begleiten sollte, Schoß derart träge, dass General Beauregard die Täuschung dieser Bewegung durchschaute. Er ließ sofort die linke Flanke seiner Linie verstärken. Als die Unionstruppen den Angriff begannen, befanden sich vor ihnen die Brigaden Bee, Bartow und Evans von Johnstons Armee. Zunächst verlief die Schlacht für die Unionstruppen recht schlecht, bis ein gewisser Colonel Sherman eine neue Furt über den Bull Run fand und somit die rechte Flanke der CS-Brigade Bartow angreifen konnte. Bis Mittag wurden somit die 3 CS-Brigaden gezwungen sich auf den Henry House Hill zurückzuziehen. Inzwischen hatte aber hier General Jackson mit seinen Truppen den Hügel erreicht und hier eine ausgezeichnete Stellung eingenommen.

 

Colonel Francis S. Bartow
General Barnard E. Bee
General Thomas J. Jackson
Colonel Francis S. Bartow
General Barnard E. Bee
General Thomas J. Jackson


Am Fuß des Hügels geriet der bisher geordnete Rückzug der 3 CS-Brigaden vor der immer stärker werdenden Unionsfront in Unordnung und schließlich in Panik. Jacksons Linien hielten aber auf dem Hügel stand und General Bee versuchte seine verwirrten Truppen mit dem Ruf zu sammeln: "Seht! Da steht Jackson wie eine Steinmauer!" Bee wurde kurz darauf tödlich verwundet, seine Truppen liefen mit dem Ruf "Stonewall Jackson" zu Jacksons Truppen auf dem Hügel. (So kam es, dass Thomas J. Jackson von diesem Tage an den Beinamen "Stonewall" führte und seine Brigade unter den Namen "Stonewall-Brigade" berühmt wurde.) Die letzten Truppen aus dem Sheanadoah-Tal erreichten am Mittag per Eisenbahn Manassas und worden sofort ins Feld geworfen. Johnston und Beauregard schickten die Brigaden Early, Cooke, Bonham, Holmes und Ewells von der rechten Flanke zu Henry House Hill. Die 1. Virginia Kavallerie unter Stuart bezog an der linken Flanke von Jacksons Brigade auf dem Bald Hill Stellung.


Inzwischen trafen aber auch andere Menschen ein, welche nicht hier her gehörten. In der Washingtoner Gesellschaft war bekannt geworden, dass am Bull Run die Entscheidungsschlacht entbrannt war. Die feine Gesellschaft packte ihre Picknickkörbe und eilte zum Bull Run. Hunderte Schaulustige mit ihren Kutschen füllten bis Mittag die Hügel und Felder um das Schlachtfeld.

 

 

1st Manassas/Bull Run


Bis gegen 14.00 Uhr hatte McDowell etwa 18.000 Mann über den Bull Run gebracht. Er entschloß sich zu einem massiven Angriff auf den Henry House Hill, mit Unterstützung der Artillerie. Zu diesem Zweck brachte er zwei Batterien und ein Zouavenregiment in die vorderste Linie. Die elf Geschütze bewegten sich langsam auf den Henry House Hill zu, jedoch konnte die Infanterie nur schwer folgen, da sie unter starkem Feuer von Jacksons Brigade stand. Die Unionsinfanterie versuchte sich zu sammeln, in diesem Augenblick erschien in ihrer rechten Flanke die 1. Virginia Kavallerie von Colonel Stuart, der seinen Säbel über den Kopf schwang und den Angriff befahl. An der Flanke der Union stand das 11. New Yorker Zouaven Regiment, welches noch versuchte eine Salve auf Stuarts Reiter abzufeuern. Die Kavalleristen brechen in die Linie der Zouaven ein, die ihre Gewehre wegwerfen und versuchen zu fliehen. Zur gleichen Zeit wendet General Jackson einen Trick an, um seine Gegner zu täuschen. Er schickt das 33. Virginia Regiment gegen die linke Flanke der Union. Das Regiment ist in einer blauen Uniform gekleidet und die Unionsartilleristen halten das Feuer so lange zurück bis es zu spät ist. Die Virginier erobern 10 Geschütze und treiben die Infanterie zurück. Nun setzt Jackson seine restlichen Regimenter gegen die Union in Bewegung, dahinter lassen Johnston und Beauregard weitere Regimenter aufmarschieren. Bis 16.00 Uhr tobte der Kampf weiter ohne das eine Seite einen nennenswerten Vorteil erzielt, da die Generäle auf beiden Seiten (außer Jackson) immer nur einzelne Regimenter in die Schlacht werfen. Jackson gelingt mit seiner Brigade die gesamte Frontlinie zu stabilisieren und geht Schritt um Schritt vor. Inzwischen waren die CS-Brigaden Smith und Elzey eingetroffen, welche unter Deckung der Wälder in die nun ungeschützte rechte Flanke der Unionstruppen marschierte. Stuarts Kavalleristen und die Brigade Early's unterstützte diese Aktion und griffen die Unionstruppen unter Howard an. Angesichts der vordringenden Massen der Konföderierten rannten Howards Soldaten um ihr Leben und rissen die zweite und dritte Line mit in die Flucht. McDowell ordnete nun den Rückzug an, welcher aber zu Panik ausartete. Die Konföderierten hatten die Schlacht gewonnen.


Man rechnete damit, dass die konföderierte Armee die Verfolgung aufnehmen und Washington belagern würde. Die CS-Armeen unter Johnston und Beauregard waren jedoch ebenso unerfahren wie ihre Gegner und zu erschöpft um die Verfolgung aufzunehmen.

 

- Statistik der Schlacht

 

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