Die Deutschen in Richmond (Va.)
Der "Verein für Amerikanistik und Virginia Volunteers e.V." beschäftigt sich hauptsächlich mit der Erforschung und Darstellung der Deutschen im Amerikanischen Sezession- bzw. Bürgerkrieg.
Da die von uns nachgestellte Einheit aus Richmond kam, hier insbesondere die Kompanie K der 1. Virginia Infanterie, haben wir uns auf die Spuren gemacht und Nachforschungen betrieben. An dieser Stelle ist nun das erste Ergebnis zu lesen, welches interessantes zu Tage förderte. Es soll auf jedem Fall weitere Nachforschungen geben, die dann hier zu gegebener Zeit publiziert werden!
Im Jahr 1860 hat Richmond selbst 37.910 Einwohner, wobei 23.635 Weiße und 14.275 Schwarze sind. Die Anzahl der Deutschen unter der weißen Bevölkerung beträgt 1.623 Personen, welche alle noch in Deutschland geboren sind. Rund 7.000 Personen beträgt die Gruppe der Deutschen und Deutsch-Amerikaner, also bereits Nachfahren der eingewanderten Deutschen. Es interessant zu wissen, das die meisten deutschen Einwanderer aus Hessen (Marburg) und aus Sachsen (Meissen - Emigrationsverein) kamen.
Viele der Einwanderer kamen nach 1848 nach Richmond. Viele dieser Deutschen waren gegen die Sklaverei. Trotz allem gab es auch Deutsche, welche Sklaven hielten. Allerdings waren sie in der Minderheit. Es gab um 1850 ca. 40 deutsche Sklavenbesitzer, wobei nur einer 9 Sklaven besaß. Alle weiteren Deutschen besaßen zwischen 1 und 3 Sklaven.
Da die meisten Deutschen Handwerker waren, arbeiteten sie zusammen mit den Schwarzen Seite an Seite und wohnten nicht selten auch im gleichen Haus. Dies war auch einer der Mitgründe, das viele Deutsche gegen die Sklaverei eingestellt waren. Selbst der spätere Finanzminister der Konföderation, Christoph G. Memminger, sprach sich gegen die Sklaverei aus.
So war es auch nicht verwunderlich, dass bei der Sezession sich die Meinung der deutschen Volksgruppe spaltete. Alle welche bereits vor 1850 nach Amerika auswanderten sprachen sich für die Sezession aus, viele der später Eingewanderten dagegen. Einige Deutsche gingen nach der Sezession in den Norden.
Als der Aufruf zu den Waffen erfolgte, strömten auch die Deutschen in die aufgestellten Regimenter und Kompanien. Die bekannteste Kompanie waren die "German Rifles" oder im deutschen Sprachgebrauch auch die "Deutschen Jäger" genannt - sie gehörten dem wohl angesehensten Regiment des Staates Virginia an - dem 1. Virginia Infanterie Regiment. Beim Musterungsaufruf schrieben sich 121 Männer ein, was um so mehr verwundert, da in Friedenszeiten die Kompanie nur eine Stärke von 45 Mann besaß.
Die zweite deutsche Kompanie aus Richmond waren die "Marion Rifles", sie gehörten der 15. Virginia Infanterie an.
Nachdem alle nicht in den Südstaaten geborenen Männer vom Wehrdienst 1862 befreit wurden, mußten beide Kompanien 1862 aufgelöst und die verbleibenden Männer auf ihre Regiment aufgeteilt werden. Die entlassenen Männer schlossen sich größtenteils der Heimatreserve (German Home Guards) an. Die Freistellung erfolgte nicht ohne Hintergrund, denn die Deutschen waren allesamt angesehene Handwerker und arbeiteten nun fast ausnahmslos für die Konföderierte Armee. So schloß z.B. der Bäckerei Peter Sorge, einen Vertrag mit der Armee über die Belieferung von Brot ab. Auch die gesamte deutsche Schuhmachergilde belieferte nun die Armee.
Trotz allem waren die verbliebenen Deutschen nicht immer für die Konföderation. So mußten im März 1862 die Deutschen Hermann L. Wiegand, Daniel Bitter und Kaspar J. Müller kurzzeitig arrestiert werden, sie hatten sich öffentlich zur Union bekannt.
Folgende bekannte Gaststätten bzw. Lokalitäten gab es um 1860 in Richmond: "Louis Rügers Lafayette Saloon", "August Schad Hall", "Simon Steinlein's Monticello Hall", "Volksgarten" und weitere. Die Deutschen sammelten sich in folgenden Vereinen: der "German Rifle Company" (Deutsche Jäger), "Turner Society" (Turner Verein), "Free-Thinking Society" (Freie Gemeinde), "Mutual Aid Society" (Krankenunterstützungsverein), "Odd Fellow Lodge" (Schiller Loge), "German Singing Society" (Gesangsverein gegr. 1852) und der "Theater Company" (Theaterverein). Sicherlich gab es noch eine weitere Anzahl von Vereinen in der Stadt.
Die Deutschen wohnten in der 4. und 5. Straße, genannt wurde der Stadtbezirk daher die "Deutsche Kolonie".
38% der Deutschen waren evangelisch, 31% katholisch und 30% gehörten dem jüdischen Glauben an.
Durch den hohen Anteil der Deutschen an der Richmonder Bevölkerung, ist es nicht verwunderlich, daß es deutschsprachige Zeitungen gab. Der "Tägliche Anzeiger Richmond's" erschien von 18xx bis 1915. Wöchentlich erschien dazu "Die Virginische Zeitung - Wochen- und Sonntagsblatt des 'Richmond Anzeigers' für Virginien und die Conföderierten Staaten". Die erste Ausgabe der "Virginischen Zeitung" erschien am 9. Juni 1861 mit einem Aufruf zur Verteidigung des Staates Virginia. Die letzte Ausgabe (Nr. 51 - 73. Jahrgang) erschien am 22. Mai 1926. Herausgeber war C. Hassel der Sohn B. Hassel, des Herausgebers des "Täglichen Anzeigers".