Das II. Leichte Infanterieregiment "Sahrer von Sahr"
Der Ursprung der beiden sächsischen leichten Regimenter geht auf den
Feldzug von 1809 zurück, als die Schützen der einzelnen Regimenter zu
Bataillonen zusammengefasst wurden.
Sachsen hatte im späten 18. Jahrhundert nur sehr zaghafte Versuche
gemacht, Schützen- oder Jägerverbände aufzustellen. 1778 war zwar ein
kleines Jägerkorps aufgestellt worden, welches im Bayerischen Erbfolgekrieg
auch zum Einsatz kam, dieses wurde jedoch später aufgrund von Etatkürzungen
wieder aufgelöst. Sachsen wiederholte somit die Fehler Preußens, welche
bereits im Siebenjährigen Krieg über Jägerverbände verfügte, diese aber
später wieder auflöste. Dabei hatten besonders die westlichen Fürstentümer
des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation in der siebziger Jahren
mit der Aufstellung umfangreicher Jägerverbände begonnen, besonders
Hessen-Kassel und Braunschweig, die ihre Soldaten an England verkauften.

1792 brachen die großen Revolutionskriege aus, als Europa versuchte das Ancien Regime in Frankreich zu reetablieren. Gegen die gesammelten Armeen der europäischen Mächte setzten die Franzosen ein erstes Wehrpflichtigensystem zur Massenrekrutierung ein. Der Siegeszug der französischen Waffen wurde mit zwei Taktiken errungen, die im Gegensatz zu vielen Behauptungen damals nicht mehr neu, oder revolutionär waren. Die eine war die Tirailleurtaktik, das Entsenden großer Schützenschwärme, dass andere die Kolonnentaktik, ein Provisorium, dass wegen der Masse ungeübter Rekruten eingeführt wurde und gegenüber gut gedrillten Linien eigentlich unterlegen war.
Auch Sachsen entsandte 1793 ein Korps unter General von Lindt an den Rhein. Hier traf man in vielen Vorpostengefechten und den drei Schlachten von Kaiserslautern erstmals auf die französischen Tirailleurs.
Im gleichen Jahr wurde erstmalig die Ausbildung spezieller Scharfschützen
in der sächsischen Armee angeordnet. Ausgesucht wurden hierfür gute
Soldaten, die präziese schießen und auch selbstständig handeln konnten,
eine Fähigkeit, die für leichte Infanterie unerlässlich ist.
Jedes Bataillon sollte einen Offizier und einen Trommler, jede Kompanie
einen Unteroffizier und 8, später 10 Mann für diesen Dienst abstellen.
1804 wurden diese Regimentsschützen offiziell etabliert. Der Trommler
wurde durch einen Hornisten ersetzt und das Horn sollte später das Zeichen
der leichten Infanterie werden. Die Regimentsschützen trugen nach wie vor
die Uniformen ihres entsprechenden Linienregiments, lediglich ein grüner
Federstutz am Hut hob sie hervor.
Über die Regimentsschützen war im Reglement zu lesen: "Die Scharfschützen stellen bei einem Bataillon und Regiment das vor, was die leichten Truppen bei einer Armee sind. Sie werden zu Avant- und Arrieregarden, Vor- und Seitentrupps, zur Deckung der Aufmärsche und anderer Bewegung der Linieninfanterie, zum Abhalten der feindlichen Plänkler, zu Vorposten, Rekognoszierungen und überhaupt allen solchen kleinen Detachements gebraucht, die Gewandheit und gutes Schießen erfordern. Hieraus ergibt sich von selbst, dass zu den Scharfschützen Soldaten zu wählen sind, auf deren Treue und Sittlichkeit man sich vorzüglich verlassen kann und die mit den zu ihrer oft ermüdenden Bestimmung notwendigen körperlichen Kräften und Ausdauer auch Mut, Entschlossenheit und Gegenwart des Geistes verbinden."
Besonders nach dem ersten Teil ist es verwunderlich, dass man in Sachsen noch immer nicht die Notwendigkeit der Aufstellung selbstständiger leichter Verbände erkannte, da es ersichtlich ist, dass die wenigen Schützen für die genannten Aufgaben nicht ausreichen würden.
Die Schützen erhielten besondere Schießausbildung. Besonders das Laden
und Schießen im Liegen und Sitzen wurden geübt.
1806 marschierte die preußische Armee in Sachsen ein. Das kleine
Kurfürstentum wurde gezwungen sich dem mächtigen Nachbarn beim anstehenden
Feldzug gegen Napoleon anzuschließen. Ein sächsisches Korps von 20.000 Mann
unter General von Zezschwitz marschierte nach Thüringen.
Am 10. Oktober trafen bei Saalfeld preußisch-sächsische Truppen unter dem
Prinzen Louis Ferdinand auf das französische X. Korps des Marschalls Lannes.
Die Franzosen machten den Verbündeten mit ihren Plänklern schwer zu schaffen.
Zwar hielten sich die drei sächsischen Regimenter "Churfürst", "Prinz Xaver"
und "von Rechten" mustergültig, doch erwiesen sie sich als zu schwerfällig
und zu sehr an der Lineartaktik verhaftet, als dass sie den Aufforderungen
des Preußenprinzen zur Ausbringung stärkerer Schützenschwärme hätten Folge
leisten können. Das Gefecht endete mit einem klaren französischen Sieg,
bei dem Prinz Louis Ferdinand tödlich verwundet wurde.
4 Tage später kam es zur großen Schlacht bei Jena, die für die Sachsen in einem Debakel endete. Die Division Niesemeuschel wurde auf dem Schneckenberg vom französischen Korps Augereau eingekreist und musste kapitulieren. Die Reste der Armee wurden zersprengt. Nur wenige Einheiten konnten sich retten, darunter das Grenadierbataillon "Aus dem Winkel", welches sich im Karree unter klingendem Spiel vom Schlachtfeld zurückzog. Auch der preußische Oberbefehlshaber, der Fürst von Hohenlohe-Ingelfingen rettete sich in dieses Karree.
Napoleon bot den Sachsen Schonung und den Beitritt zum Rheinbund an. Friedrich August III. lenkte ein und wurde mit der Königskrone belohnt. Ein erstes sächsisches Hilfskorps von 6.000 Mann unter General von Polenz nahm bereits am Feldzug von 1807 teil. Diese Truppen wurden bei der Belagerung Danzigs eingesetzt, wo sich erneut der Wert der Regimentsschützen zeigte.
1809 waren große Kräfte der französischen Armee in Spanien gebunden. Österreich wollte diese Chance nutzen um die Niederlage von Austerlitz 1805 auszuwetzen. Napoleon mobilisierte in aller Eile seine Reserven und forderte auch die Kontingente der Rheinbundstaaten ein. Das sächsische Korps von 20.000 Mann unter General von Zezschwitz wurde als IX. Korps der Grande Armee dem Marschall Bernadotte unterstellt.

Das Korps sammelte sich bei Dresden und wurde nach Napoleons Sieg bei
Eggmühl nach Bayern in Marsch gesetzt.
Am 24. April wurde erstmalig eine Avantgarde leichter Truppen gebildet.
Sie bestand aus vier Eskadronen Husaren und den Schützen des Regiments
"König" und wurde dem Generalmajor von Gutschmid unterstellt.
Der Marsch nach Bayern hatte bereits den großen Vorteil der Schützen
gezeigt und Mitte Mai wurden sämtliche Regimentsschützen in zwei Bataillonen
zusammengefasst. Das erste unterstand dem Kapitain von Metzsch, das zweite
dem Major von Egidy. Es sind die ersten selbstständigen sächsischen
Schützenverbände und Vorläufer der beiden leichten Regimenter.
Noch trugen die Schützen alle weiterhin die Uniformen ihrer Regimenter,
was Napoleon bei einer Revue in Schönbrunn fragen lies, ob es sich hierbei
um "Traineurs" (Nachzügler) handele.
Auf dem Marsch nach Wien zeichneten sich die Bataillone, die beide General Gutschmid unterstellt waren, erstmals aus. Bei Linz und Neumark hatte ihr Einsatz entscheidenden Anteil am Sieg der Sachsen. "Nicht wie Menschen, wie Rasende hatten sie bei Neumark gestürmt", schrieb ein österreichischer Offizier später.
Zezschwitz schrieb über das Gefecht bei Neumark an den König:
"Ich bin außer Stand, EW. Königl. Majestät den vortrefflichen Geist zu
schildern, der in den beiden Schützen-Bataillonen herrscht, man sieht,
wie eine Truppe, welche so gewählt ist und so durch tätige und auserlesene
Offizieren kommandiert wird, exaltiert werden kann. Die Kavallerie legt
unter anderem im Gefecht vom 20. ds. Mts. dem Bataillone von Egidy ein
ebenso einstimmiges als unbegrenztes Lob bei. Es tat was nur möglich war,
um das ganze zu retten. Die feindliche Infanterie hatte eine vorteilhafte
Stellung auf den Höhen. Der Major von Egidy, der wohl einsah, dass ein
gewöhnliches Tirailleurgefecht hier nicht ausreichen würde, griff den
Feind mit dem Bajonett an und verschaffte dadurch der Kavallerie Gelegenheit
zu operieren."
Der Einsatz der Husaren brachte den Sachsen schließlich den Sieg.
Das Korps marschierte schließlich weiter nach Wagram. Am Abend vor der Schlacht stand das 1. Bataillon bei der französischen Division Dupas, dass 2. bei der sächsischen Division Zezschwitz.
Am 4. Juli rückte das IX. Korps auf die Donauinsel Lobau. Einen Tag später setzte es über den Fluss. Das Korps Bernadotte stand im ersten Treffen der französischen Armee und rückte auf Rassdorf vor. Die Division Dupas marschierte auf Parbasdorf. Dabei geriet das Bataillon Metzsch unter heftiges Artilleriefeuer. Erst gegen 19 Uhr war das Bataillon an das Dorf heran gekommen und durchwatete den davor liegenden Rußbach. Auf den Höhen dahinter hatte sich die österreichische Infanterie im Dorf und links davon verschanzt und schwere Geschütze aufgefahren. Diese feuerten Kartätschen auf die Sachsen. Die 1. Schützenkompanie sollte nun mit dem 19é régiment de ligne das Dorf nehmen, während der Rest des Bataillons gegen die Höhen marschieren sollte. Unter starken Verlusten wurde eine österreichsische Batterie gestürmt. Danach warf sich das Bataillon auf die österreichische Infanterie, welche ebenfalls zum Weichen gezwungen wurde. Die Sachsen drängten nach, bemerkten jedoch bald ihre prekäre Lage, da Parbasdorf noch nicht genommen war. Die Division Dupas stand allein und die Österreicher brachten Reserven heran und der Widerstand versteifte sich. Der französische Angriff brach zusammen und die Division Dupas floh. Die sächsischen Schützen deckten den Rückzug. Im Schutz der Dunkelheit wurde der Rußbach durchwatet und Metzsch sammelte seine zerstreuten Kompanien. Da man den Anschluss an die Division nicht mehr fand, biwakierte man vor Ort und wurde am nächsten Tag der sächsischen Division Zeschau unterstellt.
Ein kleiner Rest des Bataillons hatte den Anschluss an Dupas jedoch gefunden. Premierleutnant Schneider, der älteste anwesende Offizier meldete sich bei dem französischen General, der ihm seine Anerkennung über die Leistung der Schützen zum Ausdruck brachte: "Ich werde dem Kaiser und dem Prinzen [ gemeint ist Bernadotte, der Prinz von Ponte Corvo] Bericht über die Ausdauer der Schützen erstatten. Der Kapitän Metzsch ist ein braver und tapferer Mann."
Die 1. Kompanie, welche Parbasdorf gestürmt hatte brachte nach der Flucht
der Franzosen die Nacht ebenfalls allein zu, nachdem sie sich zurück
gezogen hatte.
Das Bataillon Egidy wurde am ersten Tag auf Wagram selbst angesetzt.
Bis 20 Uhr stand die Brigade des Generals Hartitzsch, welcher das Bataillon
angehörte untätig vor dem Dorf, als endlich der Angriff befohlen wurde.
Im Dunkeln drangen die Schützen in das Dorf ein. Die Sachsen stürmten
vorwärts, doch nachdem die Franzosen gewichen waren, konnten sich auch
die Sachsen nicht mehr halten. Die Schützen wurden von französischen
Truppen beschossen, die ihre weißen Uniformen für österreichische hielt.
Egidy glaubte sich abgeschnitten und zog sich zurück. Auch ein zweiter
Angriff misslang. Von Hartitzsch fiel im Handgemenge. Schließlich zog
Bernadotte das Korps bis Aderklaa zurück.
Die französischen Angriffe dieses Tages waren alle abgewiesen worden.
Am nächsten Morgen rückte die Division Dupas auf Aderklaa, wobei einige
Trümmer mit der 1. Kompanie vereinigt werden konnten. Ein erster Sturm
auf Aderklaa schien erfolgversprechend, doch wieder wurden die Franzosen
zurückgetrieben und die Schützen in den Trubel des Rückzugs hineingezogen.
Man ging bis Raasdorf zurück, wo Metzsch endliche sein Bataillon sammelte
und sich wieder dem sächsischen Korps anschloss. Abends wurde er als Reserve
für das den Österreichern folgende Korps Massena zugeteilt. In Leopoldau
vereinte man sich mit dem Bataillon Egidy, dass am 2. Tag nicht ins
Kampfgeschehen eingegriffen hatte.
Das 1. Bataillon hatte in der Schlacht von Wagram 4 Offiziere und 328
Mann, das 2. 3 Offiziere und 191 Mann an Toten Verwundeten und Vermissten
zu beklagen. Der König sprach den Schützen seine "ausnehmende Zufriedenheit" aus.
Das sächsische Korps wurde nun gegen die Armee des Erzherzogs Johann bei Pressburg entsandt.
Am 11. Juli traf man auf österreichische Kräfte bei Marchegg. Die Ö
sterreicher überquerten die March und brachen alle Brücken hinter sich ab.
Der Schütze Thronicker durchschwamm den Fluss, besorgte auf der anderen
Seite einen Kahn und ermöglichte so das Übersetzen von anderthalb
Schützenkompanien, was ihm die sächsische Heinrichsmedallie einbrachte.
Auf dem Marsch nach Stampfen erhielt man Nachricht von einem Waffenstillstand.
Gutschmid ritt zu den Österreichern, um Verhandlungen aufzunehmen, als die
sächsische Kavallerie, die sich im Frieden glaubte, von starken österreichischen
Kräften angegriffen wurde. Die Österreicher drangen ins sächsische Lager
ein und töteten etliche Cheveaulegers und Husaren und machten etliche Gefangene.
Gutschmid brach entrüstet die Verhandlungen ab und eilte zurück, als
auch schon das Bataillon Egidy ins Gefecht eingriff. Mit den Resten der
Kavallerie brach es in ein österreichisches Karree ein, nahm 12 Offiziere
und 340 Mann gefangen und erbeutete eine Fahne und zwei Geschütze. Die
Österreicher brachen das Gefecht ab und zogen sich zurück. Diese Kriegsbeute
tauchte fortan im Dienstsiegel des Bataillons auf. Zezschwitz berichtete
an den König: "Die feindlichen Offiziere haben selbst gestanden, nie
eine derartige Attacke erlebt zu haben. Der Major von Egidy und sein
SchützenBataillon haben sich wieder mit Ruhm bedeckt; sie drangen mit
dem Bajonett in das feindliche Karree, während die Kavallerie noch
gegeneinander focht." Egidy erhielt für seine Leistung das Kreuz der Ehrenlegion.
In der Zwischenzeit war in Sachsen unter der Führung von Oberst Thielmann ein Jägerkorps aufgestellt worden, welches die Grenzen gegen die Österreicher verteidigen sollte. Thielmann nutze es jedoch für provokative Überfälle auf österreichische Grenzposten aus. Deshalb erhielt der Herzog von Braunschweig freie Hand, mit seiner Freischar in Sachsen einzufallen. Er konnte zwischenzeitlich sogar Dresden besetzen und wich erst vor den nahenden Entsatzkräften aus Westfalen.
Am 1. Oktober wurden in Ungarn die SchützenBataillone zu festen Truppenteilen erhoben, welche bald auf ein Bataillon aufgestockt werden sollten. Dies geht nicht zuletzt auf eine Forderung Napoleons an die Sachsen zurück, endlich leichte Infanterieverbände aufzustellen. Im Winter marschierten die Bataillone nach Sachsen zurück, das I. nach Döbeln, das II. nach Eilenburg.
Am 1. Mai sollte die Erweiterung beider Bataillone zu Regimenter beendet
sein. Die Zeit reichte jedoch nicht aus. Für die Erweiterung wurden
Männer aus der Forstwirtschaft angeworben, denen man auch nach ihrem Dienst
dort wieder eine Anstellung versprach.
Die sächsische Armee wurde grundlegend reorganisiert. Vier Linienregimenter
wurden aufgelöst und ihre Mannschaften auf die übrigen Regimenter verteilt.
Das Regiment Carabiniers wurde ebenfalls aufgelöst. Alte Generale wurden
pensioniert und jüngere, LeCoq, Funck, Gutschmid, Thielmann, Zeschau, Gablenz
und Sahrer von Sahr rückten an ihre Stelle.
Zusammen mit dem Jägerkrops sollten die beiden Regimenter eine leichte
Brigade bilden. Das 1. Regiment befehligte nun Major von Egidy, das 2.
Oberst von Tettenborn. Brigadekommandeur wurde Generalmajor Carl Ludwig
Sahrer von Sahr, der beim Komitee zur Reorganisation für die leichten
Truppen zuständig war. Die Brigade wurde der 2. Division des Generalleutnants
Carl Christian Erdmann Edler LeCoq unterstellt.
LeCoq gilt als eigentlicher Vater der leichten Infanterie, den er erarbeitete
das erste Reglement für die Schützen und kümmerte sich intensiv um deren
Ausbildung. Im Sommer 1810 unterrichtete er in Zeitz eine provisorische
Halbbrigade aus beiden Regimentern.
Im Sommer 1811 hielt LeCoq bei Strehla, Torgau und Belgern mehrere Übungen
ab, um sich von der Leistung seiner Schützen zu überzeugen.
Am 22. und 23. Juli wurde eine Übung vor dem König abgehalten, der der Brigade sein Lob aussprach und den Soldaten, die 1809 den Titel Schützen trugen, 1810 jedoch einfach nur "Gemeine" genannt wurden, ihren alten Ehrentitel zurück gab. Gleichzeitig ernannte er LeCoq zum Chef des I. leichten Regiments.
Im Winter 1811 bis 1812 zeichnete sich das epische Drama dieser Epoche bereits am Horizont ab. Napoleon sammelte eine halbe Million Soldaten in Polen. Auch die neu formierte sächsische Armee wurde mobilisiert. Die leichte Brigade wurde formell aufgelöst. Das II. leichte Regiment wurde nun der 2. sächsischen Division des Generalleutnants von Gutschmid unterstellt. LeCoq erhielt das Kommando über die sächsischen Truppen, die diesmal als VII. Korps der Grande Armée dem französischen General Reynier unterstellt wurden.

Gleich zu Beginn des Feldzuges verstarb General Gutschmid, vermutlich an
den Folgen seines Alkoholismus. Sein Nachfolger wurde der kluge und
umsichtige Generalleutnant von Funck.
Das VII Korps deckte die südliche Flanke der Armee und sollte bei den
Pripjetsümpfen mit einem österreichischen Korps auf Lemberg vorrücken.
Sobald sie in Russland einmarschiert waren, machten die sächsischen
Avantgarden, also die Schützen, Bekanntschaft mit der Nadelstichtaktik
der russischen Kosaken.
Da die schwere sächsische Kavalleriebriagde unter Thielmann, sowie zwei
der Cheveaulegersregimenter vom Korps abgezogen worden waren, blieb es
hauptsächlich die Sache der Schützen, sich gegen diese zu wehren.
Am 6. Juli wurde daher unter General von Gablenz eine Avantgarde mit den
verbliebenen drei leichten Kavallerieregimenter, den Cheveaulegers, den
Ulanen und den Husaren, sowie einen ständig auszutauschendem SchützenBataillon
gebildet. Dazu wurde noch eine reitende Batterie abgestellt.
Unzählige Vorhutgefechte bestimmten von nun an den Tag der Schützen.
Das VII. Korps wurde nun auf das sich aus Süden nähernde russische Korps
Tormassov angesetzt. Reynier marschierte auf Brest Litowsk. Bei Janov
stieß man erstmals auf größere feindliche Verbände. Das 2. Bataillon
des Regiments konnte den Ort jedoch stürmen. Jedoch war es den Russen
gelungen, Reynier zu täuschen. Janov war nur schwach besetzt. Tormassov
war inzwischen auf Kobryn marschiert, wo er die sächsische Brigade Klengel
einkesselte und zur Kapitulation zwang. Funck schrieb später, dass die
Niederlage bei Kobryn unnötig gewesen war, dass man die Kavallerie und
sein leichtes Regiment, auf die leeren Bagagewagen verfrachtet, noch am
selben Tag zum Entsatz hätte schicken können.
Nach der Niederlage von Kobryn wich Reynier nach Slonim zurück. Hier
vereinigte man sich mit dem österreichischen Korps Schwarzenberg. Dieser
übernahm den Oberbefehl.
Der Kaiser drängte Schwarzenberg die Russen nun endlich zur Schlacht zu
stellen. Bei Podobna kam es zur lang erwarteten Schlacht.
Das VII. Korps sollte, durch zwei österreichische Brigaden verstärkt,
die Russen umgehen. Die Österreicher hielten in ihrer Front stand. Während
die Division LeCoq weit gegen den Rücken der Russen marschierrte, blieb
die Brigade Sahrer von Sahr mit dem II. leichten Regiment in ihrer Flanke
stehen, rechts des Gorodeczna-Baches.
Das I. Regiment wurde weiter nördlich am Rande eines Waldes schwer von
der russischen Infanterie bedrängt und hätte fast weichen müssen, als
die Brigade Sahrer von Sahr eingriff und die Schützen des II. Regiments
vorrückten. Beide Regimenter wiesen nun die russischen Gegenangriffe ab.
Da sie die Bedrohung ihrer Flanke nicht ausschalten konnten, mussten die
Russen schließlich weichen, wurden jedoch aus Mangel an Kavallerie nicht
von den Sachsen verfolgt. Beide Regimenter hatten insgesamt 95 Tote und
444 Verwundete verloren.

Funck schrieb über die Tapferkeit des II. leichten Regiments: "Die nie
genug zu erhebenden, mutigen Anstrengungen des II. leichten Infanterieregiments
habe ich mehr im allgemeinen, als im einzelnen beobachten können; gesehen
aber habe ich die schöne Geschlossenheit, mit welcher sich nach dem
Andringen der feindlichen Kavallerie, wobei der Kapitän von Lindeman
gefangen wurde, die Reste seiner Kompagnie, anstatt zu weichen, in Trupps
sammelten. Wären die Schützen gewichen, so war der Verlust einiger Kanonen
unvermeidlich." Oberst von Tettenborn, Kommandeur des II. leichten Regiments,
erhielt für seine Tapferkeit das Kreuz der Ehrenlegion.
Die Stimmung und Moral bei den Schützen war sehr hoch. Kehrte ein Soldat,
der einen verwundeten Kameraden nach hinten brachte nicht sofort wieder
zu seiner Einheit zurück, schrieb man ihm das Wort "neutral" auf den Tschako.
Wenn er sich wieder irgendwo hervortat durfte er es löschen.
Am 13. August fand ein Defillee der Truppen statt, bei dem den beiden
Schützenregimenter von ihren Kameraden Hochrufe ausgebracht wurden.
Das VII. Korps marschierte nun nach Süden. Die Russen hatten die Ausgänge
aus den Pripjetsümpfen gesperrt und Reyniers schwache Kräfte blieben gefangen.
Man marschierte an den Fluss Styr, als der russische General Tschitchagow
mit 34.000 Mann aus der Türkei eintraf. Da die Russen nun deutlich überlegen
waren, befahl Reynier erneut den Rückzug.
Die Russen folgten der Armee nun dicht auf den Fersen. Die leichte Infanterie
bildete die Nachhut. Reynier lies eine Brücke über den Bug schlagen,
um dieses natürliche Hindernis zwischen sich und Tschitschagow zu bringen.
Das II. leichte Regiment besetzte mit Artillerie dass linke Flussufer,
das I. deckte den Übergang.
Ihr Einsatz beim Übergang der Sachsen trug den Schützen eine neue Ehrung ein. General LeCoq erlaubte ihnen das Tragen von Schnurrbärten, was bisher den Grenadieren vorbehalten war. Schwarzenberg befahl jedoch kurz darauf einen erneuten Vorstoß, der schnell zurückgewiesen wurde, sodass das Korps ein weiteres Mal den Bug überqueren musste. Bei Klinki erlitt das I. leichte Regiment zwei schwere Verluste: der Major von Metzsch und Oberstleutnant von Egidy fielen beide im Gefecht.
Die Russen folgten den Sachsen über den Bug und marschierten nun auf
Warschau. Bei Biala an der Bialka verlegte Reynier ihnen den Weg.
Das 1. Battallion des II. Leichten Regiments fing den ersten Angriff der
Russen auf. Nachdem sich deren Druck verstärkte, wurde auch das 2. Bataillon
heran gezogen. Ein Teil der Schützen umging die Russen und griff in der
Flanke an, was deren Attacke zusammen brechen lies. Premierleutnant von
Zychlinsky nahm mit 13 Schützen ein Geschütz, lies es bespannen und im
Triumph hinter die eigenen Linien bringen.
Oberst von Tettenborn wurde bei diesem Gefecht schwer verwundet.
Sergeant Johann Carl Kallmeyer und Corporal Johann Gottfreid Lorenz
erhielten für ihr umsichtiges und tapferes Verhalten das Kreuz der Ehrenlegion.
Nach den Gefechten bei Klinki und Biala fühlte Reynier sich genötigt, den sächsischen Truppen noch einmal sein Lob auszusprechen, vermerkte jedoch auch: "Es hat der General en chef in allen Gefechten bemerkt, dass die leichte Infanterie aus der ihr eigenen Tapferkeit mitunter mit zu wenig Apell, gewöhnlich aber ohne sich gehörig zu decken, gegen den Feind geht. Er befiehlt daher, den Schützen bekannt zu machen, wie ihm besonders daran gelegen ist, diese braven Soldaten zu erhalten und dass sie daher mit mehr Vorsicht bei der Verfolgung des Feindes zu Werke gehen sollen."
Die Hauptarmee des Kaisers hatte sich mittlerweile längst aus Moskau
zurück gezogen und befand sich in nahezu vollständiger Auflösung.
Auch das sächsische Korps befand sich in einem schlimmen Zustand. Es
mangelte an Schuhwerk und warmer Kleidung, da viele Mäntel im heißen
Sommer entweder gekürzt, vergammelt oder weg geschmissen worden waren.
Pelze, Zivile Röcke und Mäntel, selbst Frauenkleider wurden nun aufgetragen,
um die Kälte abzuwehren. Trotzdem blieb die Disziplin innerhalb der Truppe erhalten.
Am 14. November erreichte das Korps Wolkowysk. Die Schützen sicherten
das Hauptquartier Reyniers. In der Nacht rückten die Russen auf das
Hauptquartier zu. Doch trafen sie auf Feldwachen des II. leichten Regiments
unter Sousleutnant von Petrikowski und auch Posten des I. Leichten, die
sofort das Feuer eröffneten und die überraschten Russen solange abwehrten,
bis sich beide Regimenter gesammelt hatten. Reynier, führte selbst
Teile des Regiments "LeCoq" heran. Es gelang das Korps zu sammeln und
die Russen abzuwehren, bis der Train gerettet war. Bei diesen Kämpfen
gerieten teile des Infanterieregiments "Prinz Anton" in schwere Bedrängnis.
Erst einige Schützen des II. leichten Regiments unter Sousleutnant von Süßmilch
konnten die sächsischen Musketiere vor schlimmeren bewahren.
Die Schlacht um Wolkowysk dauerte zwei Tage. Das Eintreffen der
Österreicher entschied sie zugunsten der Sachsen. Die Russen verloren
allein 8.000 Gefangene, die aber wieder frei gelassen werden mussten.
Petrikowski und Süßmilch erhielten das Kreuz der Ehrenlegion.
Die beiden leichten Regimenter waren jetzt so arg zusammengeschmolzen,
dass sie zu je einem Bataillon zusammengefasst wurden und außerdem durch
Schützen der Linienregimenter verstärkt werden mussten. Durch die
andauernden Plänkeleien waren sie am meisten mitgenommen worden.
Am 29. November ereilte Reynier der Befehl, wieder nach Osten vorzurücken,
um den Rückzug der Hauptarmee zu decken. Das VII. Korps marschierte nach Slonim.
Als Napoleon am 3. Dezember jedoch die Armee verlies, zogen sich auch die
Sachsen endgültig aus Russland zurück, überquerten ein letztes Mal den Bug
und marschierten nach Warschau.
Anfang 1813 wurde General Sahrer von Sahr als Ehrung zum Chef des II.
leichten Infanterieregiments ernannt, welches fortan seinen Namen trug.
Am 14. Februar 1813 erreichten die Reste des Korps Kalisch. Hier wurde
das I. leichte Regiment mit den Resten der Cheveaulegers vom Korps
abgetrennt und zog sich nach Österreich zurück.

Das II. leichte Regiment traf im März in Dresden ein. Napoleon hatte
längst begonnen in Frankreich neue Truppen aufzustellen, um im kommenden
Feldzug seine Schlappe auszuwetzen. Mittlerweile hatten sich die Preußen
den Russen angeschlossen und auch in Sachsen schwankte die Stimmung.
General von Funck wurde als Sündenbock für das Russlanddebakel auf
Wartegeld gesetzt und durch General Thielmann ersetzt.
LeCoq führte die 1500 Mann, die aus Russland zurückkehrten nach Torgau,
wo Thielmann eiligst Reserven mobilisierte. Im Mai hatte er die Armee
auf 8.000 Mann verstärkt. Es wurde wieder eine Division unter General
Sahrer von Sahr gebildet. Das II. leichte Regiment wurde der 2. Brigade
zugeteilt.
Die Ereignisse überstürzten sich. Thielmann versuchte die Festung Torgau
an die Preußen auszuliefern, was am Widerstand Sahrer von Sahrs scheiterte.
Thielmann lief schließlich allein zu den Preußen über.
Nach dem Sieg Napoleons bei Großgörschen (2. Mai) befahl der König die
erneute Unterstellung der Armee unter französischen Oberbefehl.
Reynier übernahm wieder das Kommando.
Das VII. Korps rückte nach Osten und traf am Abend nach der großen Schlacht
bei Bautzen ein. Napoleon setzte es sofort zur Verfolgung der Verbündeten ein.
Bei Reichenbach (22. Mai) traf man bereits auf die russische Nachhut,
die sich auf dem Töpferberg verschanzt hatte. Die sächsiche leichte
Infanterie, das Regiment "LeCoq", "Sahrer von Sahr" und das Jägerkorps
stürmten den Hügel unter den Augen des Kaisers, welcher an die vorderste
Front geritten war und Sahrer von Sahr sein Lob über die leichten Truppen aussprach.
Die russisch-preußische Armee wurde hinter die Neiße zurück getrieben.
Bei Görlitz durchwatete der Gefreite Weber mit ein paar Schützern den Fluss,
um ein durch Kosaken bedrängtes Trüppchen Kavallerie zu retten.

Bei den Vorpostengefechten in Schlesien zeigte sich, wie schnell die
neuformierten Schützenregimenter Routine gewannen. Sahrer von Sahr
schrieb an den König: "Die fast ganz neu organisierten Truppen, die so
eilig und unvorbereitet auf den Kampfplatz geführt wurden, schlugen sich,
bei dem Mangel an Lebensmitteln, in den hartnäckigen und zur Erschöpfung
der Kräfte führenden Gefechten wie die besten, erfahrenen und abgehärteten
Krieger, immer Mut, Ruhe und Ordnung behaltend."
Vor Breslau erfuhr man schließlich vom Waffenstillstand. Für ihren tapferen
Einsatz erhielten Oberst von Bose, Major von Jeschki und Premierleutnant
von Klingenguth noch das Kreuz der Ehrenlegion.
Das VII. Korps bezog ein Biwak nahe Görlitz und die Regimenter wurden
nach Möglichkeiten wieder auf 2 Battaillone verstärkt. Auch das II.
leichte wurde wieder auf Regimentsstärke gebracht.
Nach dem Waffenstillstand wurde das VII. Korps zur Nordarmee geschickt,
wo es an beiden Vorstößen nach Berlin teilnahm.
Das Regiment kämpfte bei Großbeeren (23. August), wo es in härteste
Ortskämpfe verwickelt war. General Sahrer von Sahr wurde durch Bajonettstiche
schwer verwundet. Das II. leichte Regiment sicherte den sächsischen Rückzug.
Bei Dennewitz (6. September) stand das Regiment im zweiten Treffen.
Als sie am Nachmittag auf den Ort Gölsdorf vorrückte, geriet die Division
durch preußische Artillerie in schwere Unordnung. Die Schützen bildeten
einen Schleier vor den anrückenden Preußen, der der Linieninfanterie zeit
gab, sich neu zu formieren. Doch als die Preußen immer mehr Kräfte ins
Feld warfen, mussten die Sachsen weichen, wobei sie sich erneut auf die
Deckung durch ihre leichte Infanterie vertrauen konnten.
Das Regiment war nun wieder auf ein einziges Bataillon von 450 Mann
zusammengeschmolzen.
Nachdem es nicht gelungen war, die Elbe gegen Blüchers Schlesische und
Bernadottes Nordarmee zu sichern, zog Napoleon sich auf Leipzig zurück.
Am 17. Oktober traf Reyniers Korps auf dem Schlachtfeld ein. Die Moral
der Sachsen lag am Boden, der Zorn auf den Kaiser, der die Schuld an
den Niederlagen von Großbeeren und Dennewitz auf die tapferen Sachsen
abgewälzt hatte groß. Am Morgen des 18. Oktober lief daher die sächsische
Kavallerie zu den Verbündeten über, gefolgt vom II. leichten Infanterieregiment
"Sahrer von Sahr" und dem Rest des Korps.
Fassungslos berichtet General von Zeschau, der Sahrer von Sahr ersetzt
hatte, vom Übergang seiner Truppen. Verantwortlich hierfür war General
Ryssel, den Zeschau noch auf dem Schlachtfeld in Haft setzte.
Die Sachsen richteten noch während der Schlacht ihre Waffen auf ihre
früheren Verbündeten.
Das II. leichte Regiment wurde verstärkt und später als "rovisorisches
II. leichtes Infanterieregiment" der sächsischen Armee General Thielmann
im Feldzug von 1814 unterstellt.

von Alexander Querengässer